Auch das muss sein

Nachfolgende Regeln sollten Sie beachten, damit Sie keine unerwünschten Nebenwirkungen bekommen:

  • keine kalte Anwendung auf einen kalten Körper!
  • Je kälter das Wasser, desto kürzer der Reiz
  • Nicht abtrocknen, Wasser nur abstreifen und trockene Kleidung anziehen
  • Erwärmung nach wenigen Minuten (15-20)
  • keine Anwendung direkt nach dem Essen
  • Nikotin- und Alkoholgenuss vermeiden
  • Warmanwendungen mit kühlen Anwendungen beenden (Waschung, Guss)
  • vor Beginn des Gusses einatmen
  • mit Beginn des Gusses ausatmen, ruhig weiteratmen und lächeln
  • bitte fragen Sie auch Ihren Hausarzt, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob eine von mir beschriebene Kneippanwendung speziell für Sie geeignet ist

Lächeln Sie bei jeder Anwendung: denn es ist für Sie auch eine Zuwendung. Und was gibt es schöneres als sich selbst zu verwöhnen?!

Die Reize sind nicht zu unterschätzen

Die durch die kalte bzw. wechselwarme kneippsche Wasseranwendung erzielten Reize trainieren den Körper sprich die Gefäße. Denn durch die Wärme werden die Gefäße weit gestellt, das Blut fließt in breit geöffnete Arterien und Venen. Durch die folgende Kaltanwendung werden nun die Gefäße eng gestellt (ziehen sich zusammen), damit die Kälte nicht unmittelbar an die inneren Organe gelangt. Durch die erneute Warmanwendung werden sie wieder geweitet. Hierdurch entsteht tatsächlich ein ideales Gefäßtraining mit dem Erfolg, dass auch eine bessere Durchblutung stattfindet und auch die Schlackenstoffe in den Gefäßen abtransportiert werden und neues mit Sauerstoff angereichertes Blut einfließen kann.

Wichtig ist, dass man diese Reizstärken nicht unterschätzt. Deshalb unterscheidet man drei unterschiedliche Reizstärken:

  • kleine Reize entfachen die Lebensfunktionen
  • gut dosierte mittlere Reize kräftigen und fördern
  • übergroße Reize schaden

Demzufolge gilt der Spruch: Was mich nicht umbringt, macht mich krank. Im Gegensatz zu diesem (eher bekannten) Spruch: Was mich nicht umbringt, macht mich hart.

 

Beispiel für die Reizwirkung anhand des kalten Kniegusses

Beim Begießen des Beines mit kaltem Wasser werden die Blutgefäße im Bein enggestellt, was zur Folge hat, dass der Wärmeverlust vermindert wird. Gleichzeitig wird das Atmungssystem animiert, verstärkt Sauerstoff in die Gefäße zu pumpen. Durch diesen Vorgang wiederum wird das Herz-Kreislauf-System aktiviert, durch das Blut verstärkt Nährstoffe, Sauerstoff, Hormone und Wärme zu transportieren.

Durch relativ einfache, kleinflächige Kneipp’sche Kalt- und Wechselanwendungen lassen sich alle vitalen Organsysteme aktivieren und durch Training zu optimaler Leistungsfähigkeit bringen. Besondere Bedeutung hat hierbei der Kaltreiz. Dieser verlangt dem Organismus aktive Reaktionen ab.

In der Kneipptherapie gibt es mehr als einhundert verschiedene Güsse und Anwendungen.

Um eine erfolgreiche Kneippanwendung durchzuführen, ist es sinnvoll, entsprechendes Handwerkszeug zu besitzen. Diverse Utensilien erhalten Sie am besten in den beiden Kneippshops

Kräuterhaus Schweiger und
Kneippverlag beid in Bad Wörishofen.

Zuvor sollten Sie aber auch prüfen, was sich in Ihrem Haushalt so alles findet: eine Wasserschüssel für ein Armbad, ein Wasserschlauch (Gartenschlauch) für einen erfrischenden Knieguss im Sommer.

 

Das richtige Gießrohr

Beachten Sie speziell für die Gießanwendungen, dass Sie ein Gießrohr oder einen Wasserschlauch (ca. 1,5 bis 2 m lang) mit einem Durchmesser mit ca. 3/4 Zoll verwenden. Der Druck das Wassers sollte nicht mehr als handbreit betragen, siehe “Wichtige Regeln”.

 

Auf die Wassertemperatur kommt es an

Die Temperatur des kalten Wassers sollte so sein, wie es aus der Leitung herauskommt. Das heißt, das Wasser sollte nicht wärmer als 18° C sein. Für ganz empfindliche Personen darf das Wasser auch leicht wärmer sein (max. 22° C). Höher temperiertes Wasser ist für eine Kaltanwendung nicht zu empfehlen, da hierdurch der gewünschte Reizeffekt nicht eintritt und die Anwendung wirkungslos bleibt.

Nachfolgende Übersicht gibt Ihnen einen Überblick über die unterschiedlichen Temperaturgrade und deren Wirkung:

  • 0° bis 18° C = kalt
  • 18° bis 22° C = temperiert
  • 23° bis 31° C = lau, dies kann zu Fehlreaktionen kommen
  • 32° bis 35° C = indifferent (keine Wirkung)
  • 36° bis 39° C = warm
  • > 39° C = heiß

Raumtemperatur anpassen:

Sorgen Sie dafür, dass die Raumtemperatur angenehm und nicht zu kalt ist (Badezimmer ca. 22° C). Ebenso sollte kein Durchzug bestehen. Also Fenster und Türen vor einer Anwendung schließen.

Wasserstrahl

Für einen Guss sollte der Wasserstrahl nicht so stark sein, um so nicht alles nass zu spritzen.

Anhand dieses Bildes erkennen Sie, dass der Wasserstrahl etwa handbreit stark ist. Halten Sie hierzu den Wasserschlauch senkrecht an eine ausgestreckte Hand.
Stärker sollte/darf er nicht sein. Ist aufgrund der Wasserleitung ein schwächerer Druck vorhanden, dann nehmen Sie es so, wie es ist. Wenn möglich führen Sie den Wasserstrahl immer so, dass das Wasser “nach oben” läuft. Dies vermeidet viel Spritzwasser.

Damit Sie nicht im kalten Wasser stehen, sollten die Füße z. B. bei einem Knie- oder Schenkelguss auf einem Gitterrost stehen oder etwas schräg, damit das Wasser direkt abfließen kann.

Wechseln Sie bei regelmäßigen Anwendungen unbedingt auch die Körperhälften. Wenn Sie z. B. abends vor dem Schlafengehen gerne einen Knieguss durchführen oder zum Tagesabschluss noch einmal Wasser treten, dann haben Sie etwas für den unteren Körperbereich gemacht. Um diesen Bereich jedoch nicht zu sehr zu verwöhnen, sollten Sie am nächsten Morgen bzw. die nächste Anwendung am Oberkörper durchführen. Das kann z. B. ein Armguss oder eine Oberkörperwaschung sein. Somit sind beide Körperhälften ausgeglichen.